Methoden der vergleichenden Politikwissenschaft

1.1: Definition der vergleichenden Methode

Methoden des Vergleichs bezeichnen im Allgemeinen die Art und Weise einer komparativen Untersuchung von empirischen Phänomenen mit einem bestimmten Erkenntnis- ziel, wobei es gilt, die maßgeblichen Variablen auf verschiedene Weise zu kontrollieren.  Ein anderer Definitionsvorschlag (Schmidt 2004: 744-745) präzisiert die Zielsetzung:  „systematischer Vergleich von Fällen einer Grundgesamtheit zwecks Entwicklung und  Überprüfung von Hypothesen über Sachverhalte, Vorgänge oder Wechselbeziehungen  zweier oder mehrerer Variablen“.

1.2: Vier Bedeutungsebenen von Theorie für den Vergleich 

Theorien strukturieren im Sinne von Kontexttheorien die allgemeine Realitätsauffassung. Die Auswahl, welche Großtheorie eingesetzt wird (Systemtheorie, Handlungstheorien, Marxismus, Strukturalismus etc.), lenkt bereits maßgeblich die notwendige Komplexitätsreduktion, indem bestimmte Variablen (Kategorien) gebildet und selektiert werden. Zugleich werden damit bereits bestimmte Erklärungszusammenhänge verbunden.  
Damit ist eine zweite Ebene angesprochen, die für den Vergleich zentral ist. Es geht um die Überprüfung von theoretisch vermuteten Erklärungszusammenhängen, die in Form von Hypothesen formuliert werden.  

In der Auswahl und Prüfung von Hypothesen wird die vergleichende Studie in den allgemeinen Forschungskontext gestellt und somit der Ertrag der bisherigen Forschung berücksichtigt.

Auf diese Weise trägt die vergleichende Forschung zur Weiterentwicklung des Theoriebestands bei. Zudem bieten komparative Studien in der Bearbeitung des empirischen Materials die Möglichkeit, neue Hypothesen zu entwickeln. 

1.3: Ziele des Vergleichens in der Politikwissenschaft

  • Gleichheit und Identität feststellen
  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen  
  • auf Unbekanntes oder Besonderes hinweisen
  • funktionale Äquivalente erkennen
  • Informationen über die Fälle (insbes. andere Länder) erhalten
  • Klassifikationen und Typologien entwickeln
  • empirische Phänomene ordnen
  • einzelne Fälle an Maßstäben (z. B. Realtyp, Idealtyp) messen, um Abweichungen
  • identifizieren zu können
  • Hypothesen und Theorien entwickeln und prüfen
  • Prognosen treffen
  • bei konkreten Problemen Fälle aufspüren, in denen Lösungen gefunden wurden (s.  
    Politikberatung) 

📅30. August 2025